Authentizität - der vergessene Schlüssel zu echter Verbindung und Nähe
Was, wenn Authentizität nicht das ist, was Verbindung gefährdet - sondern genau das, was sie erst möglich macht?
In diesem Beitrag möchte ich dich auf eine kleine innere Reise mitnehmen. Eine Reise, auf der wir das Wort „Authentizität“ entwirren und erforschen, warum sie der Schlüssel für echte Verbindung und Nähe ist – zu anderen und vor allem zu dir selbst.
Ich habe lange mit dem Glauben gelebt, dass ich die Verbindung zu anderen Menschen verliere, wenn ich mich wirklich zeige. Wenn ich roh bin. Echt. Ungeschönt. Wenn ich nicht funktioniere, sondern einfach bin.
Und, wenn du mit so einem Glauben lebst, dann ist es nur logisch, dass du beginnst, Rollen zu spielen. Erwartungen zu erfüllen. Dich innerlich anzupassen, zu regulieren und zu verstellen – nur um die Verbindung nicht zu verlieren. Nur um nicht zur Last zu fallen und zu viel zu sein.
Du sagst Ja, obwohl dein Körper Nein meint.
Doch was, wenn das nicht die Wahrheit ist?
Was, wenn du in diesen Momenten nicht die Verbindung zur anderen Person verlierst – sondern die Verbindung zu dir selbst?
Deine innere Anbindung.
Deinen inneren Kompass.
Deine Herzenswahrheit.
Vor Kurzem war ich wieder in genau so einer Situation.
Ich habe einen Mann in mein Feld gelassen. Mich geöffnet. Und auch er hat sich geöffnet. Wir konnten uns gegenseitig spüren, wahrnehmen, lesen. Für mich fühlte es sich nach einem sicheren Raum an – nach Vertrauen.
Und genau deshalb habe ich mich in einem Moment nicht in meiner Stärke gezeigt, sondern in meiner Erschöpfung. In meiner Verletzlichkeit.
Ich habe mich authentisch gezeigt – jenseits der Rolle der starken, verantwortungsbewussten und unabhängigen Frau. Ich habe geteilt, dass ich innerlich weich bin. Müde bin. Erschöpft bin.
Mein Bedürfnis war klar: Nähe. Begegnung. Verbindung.
Doch Authentizität kann beim Gegenüber etwas auslösen.
Sie kann triggern. Schutzmechanismen aktivieren. Rollen hervorrufen – bewusst oder unbewusst. In diesem Fall die Rolle des Analysierenden, Kontrollierenden, Rettenden.
Meine Intention jedoch war eine andere.
Ich wollte Augenhöhe.
Herzhöhe.
Nicht, dass er über mir steht. Nicht, dass er mich „versteht“ oder „löst“.
Ich wollte ihm gegenüber sein.
Ich wollte sein sehendes, nicht urteilendes Herz.
Seine Präsenz.
Jeder von uns trägt eine andere Prägung in sich, wenn es um Bindung und Verbindung geht. Wir entwickeln unterschiedliche Bindungsmuster – und diese spiegeln sich direkt in unserem Nervensystem.
Rückblickend war es der Moment, in dem zwei Nervensysteme kollidiert sind:
Eines, das gelernt hat, Verbindung durch Fixieren und Kontrolle zu halten.
Und eines, das gelernt hat, sich anzupassen, um Verbindung nicht zu verlieren.
Und diesmal hat sie – habe ich – mich nicht angepasst.
Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung.
Ich habe mich gezeigt.
Ich war im Körper.
Und er war im Kopf.
Dieser Moment hat mir geholfen, mir meiner eigenen inneren Überzeugung bewusst zu werden. Mein Bedürfnis klar zu benennen. Und mich – aus Selbstschutz – aus dem gemeinsamen Feld zurückzuziehen. Distanz zu schaffen, um mir selbst treu zu bleiben.
In diesem Moment war ich echt.
Berührbar.
Angreifbar.
Ablehnbar.
Ich war nackt in meiner momentanen Wahrheit.
Und das ist Authentizität.
Nicht eine gut formulierte Meinung.
Nicht ein klares Selbstbild im Kopf.
Sondern: wahrhaftig du selbst zu sein – in jedem Moment – mit dem, was gerade in dir lebendig ist.
Authentizität bedeutet nicht zu performen, um zu gefallen.
Nicht dich darzustellen, um sicher zu sein.
Sondern verkörpert zu sein.
Denn Authentizität entsteht im Körper – nicht im Kopf.
Und jetzt stellt sich die entscheidende Frage:
Wie hilft uns Authentizität, echte Verbindung und Nähe herzustellen?
Authentizität trennt nicht. Sie sortiert, weil nicht jede Verbindung Wahrheit aushält. Authentizität zeigt sich, wo Resonanz ist und wo nicht. Eine Verbindung, die nur durch Anpassung besteht, ist keine echte Nähe.
Darin liegt auch der Unterschied zwischen Verbindung und Verstrickung:
Verbindung ist frei, atmend und lebendig.
Verstrickung entsteht aus Angst vor Verlust.
Und hier löst Authentizität die Verstrickung - auch, wenn das kurzzeitig schmerzt.
Nähe kann nur dort entstehen, wo niemand eine Rolle spielt. Das Spielen von Rollen erzeugt zwar Sicherheit im Kopf, aber Distanz im Herzen. Somit entsteht Nähe, wenn niemand etwas reparieren, erklären oder kontrollieren muss.
Der Körper ist hier der Wahrheitskompass, weil Authentizität ist ganz klar spürbar. Der Körper weiß früher als der Verstand, ob die Verbindung echt ist oder nicht. Somit kann Weitsicht entstehen, wenn wir dem Körper mehr glauben als unserem Verstand.
Das alles ist natürlich kein Vorwurf an die Menschen, die mit Verletzlichkeit VORERST nicht umgehen können. Es ist eine Einladung.
Weißt du, wahrhaftig zu sein ist keine Strategie. Es ist eine innere Entscheidung und ein Akt der Selbsttreue. Nähe beginnt immer bei der Verbindung zu dir selbst. Wer sich selbst verlässt, um Nähe zu bekommen, wird sie nie wirklich fühlen. Die Voraussetzung für äußere Verbindung ist immer die innere Anbindung.
Authentizität braucht Mut:
Mut, gesehen zu werden.
Mut, missverstanden zu werden.
Und genau darin liegt die Freiheit.
Wir dürfen lernen dann den Menschen nicht zu bewerten, ob er richtig oder falsch reagiert hat. Wir dürfen erkennen, dass jeder Mensch aus seiner eigenen Konditionierung handelt. Wir dürfen Weitsicht und Mitgefühl einladen und erlauben ohne uns selbst zu verraten.
Authentizität garantiert keine Beziehung, jedoch garantiert sie Wahrheit. Und Wahrheit ist der Boden, auf dem echte Nähe wachsen kann.
Zum Schluss eine Einladung an dich:
Wo in deinem Leben passt du dich an, um Verbindung zu halten?
Was würde sich verändern, wenn du dich dort ein kleines Stück echter zeigst?