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Was würde passieren, wenn wir aufhören, einander zu konsumieren?

Was würde passieren, wenn wir aufhören würden, einander zu konsumieren?

Was würde passieren, wenn wir aufhören, einander zu konsumieren? Was würde passieren, wenn wir füreinander Räume der Präsenz werden?

Diese Fragen haben mich das gesamte Jahr 2025 begleitet. Ich war in Beziehungen, die sich für mich oft mehr wie Verpflichtung und Erwartung anfühlten, weniger wie Räume gemeinsamer Präsenz. Räume, in denen ich mich angepasst habe, meine Bedürfnisse und Grenzen nicht ausgesprochen habe – und wenn ich es doch tat, war ich diejenige, die das Problem war. Ich war zu viel, wollte zu viel, war zu sensibel. Ich war aber auch unsensibel, unempfänglich, manchmal sogar unangenehm. Immer irgendwie „falsch“.

Dabei war ich ich selbst. Verbunden mit meinen Bedürfnissen, Grenzen, in Selbstfürsorge und Selbstführung.

Ich schreibe das nicht, um mich als etwas Besseres darzustellen, sondern um zu zeigen, wie unterschiedlich wir Nähe und Verbindung definieren. Jeder Mensch reagiert aus einem eigenen inneren Referenzsystem heraus - geprägt durch frühe Bindungserfahrungen, Beziehungsvorbilder und das, was unser Nervensystem als „sicher“ gelernt hat.

Die Bindungsforschung zeigt: Nähe fühlt sich für Menschen unterschiedlich an. Für manche bedeutet sie Verschmelzung und für andere Autonomie. Für manche ist sie regulierend und für andere bedrohlich. Nicht weil jemand falsch ist - sondern weil unser Nervensystem Nähe auf Basis früherer Erfahrungen interpretiert.

Die zentrale Frage bleibt:
Was würde passieren, wenn wir aufhören, einander zu konsumieren?

Schaue dir deine Beziehungen einmal nüchtern an. Fühlen sie sich nach Pflicht und Erwartung an – oder wie ein Hafen, in dem du ankommen kannst? Orte, wo du nicht funktionieren musst, nicht dauerhaft verfügbar sein musst, um Nähe zu sichern. Orte, an denen du tief ausatmen kannst.

Aus neurobiologischer Perspektive ist genau das entscheidend:

Unser Nervensystem unterscheidet permanent zwischen Sicherheit und Bedrohung. Nur in einem Zustand innerer Sicherheit kann echte soziale Verbundenheit entstehen. Forschung aus der sozialen Neurowissenschaft zeigt, dass erst dann jene neuronalen Netzwerke aktiv werden, die für Empathie, Resonanz und Bindung zuständig sind - unter anderem über hormonelle Botenstoffe wie Oxytocin.

Wir werden jedoch in eine Gesellschaft hineingeboren, in der sich Beziehungen oft wie ein Strom aus Erwartungen und Verpflichtungen anfühlen:

  • Nähe soll durch ständiges Funktionieren entstehen.

  • Liebe soll durch das Überschreiten persönlicher Grenzen aufrechterhalten werden.

  • Wir bewerten, belehren, korrigieren und halten einander in Rollen.

Dabei verwechseln wir etwas Fundamentales:

  • Nähe bedeutet nicht Dauerverfügbarkeit.

  • Grenzen und Bedürfnisse des Gegenübers sind kein Angriff.

  • Egal, wie viel Liebe da ist - ohne echte Begegnung kann keine Nähe entstehen.

Dort, wo keine Begegnung ist, kann sich keine organische Tiefe entfalten. Beziehung wird funktional, weil Präsenz fehlt.

Modelle wie die polyvagale Theorie beschreiben diesen Zustand als einen Wechsel zwischen Überlebensstrategien und sozialer Offenheit. Beziehung ist kein rein mentales Konstrukt. Sie ist ein körperlich erlebter Zustand.

Wenn unser Nervensystem im Dauerstress ist, reagieren wir automatisch:

Wir fordern, ziehen uns zurück, passen uns an oder kämpfen. Nicht weil wir nicht lieben können, sondern weil Präsenz physiologisch nicht verfügbar ist.

Unsere Kultur romantisiert Partnerschaften und instrumentalisiert sie gleichzeitig.

  • „Wenn ich endlich in einer Beziehung bin, dann bin ich vollständig.“

  • „Dann bin ich gesehen.“

  • „Dann bin ich angekommen.“


Doch Konsum zieht sich auch durch romantische Beziehungen:

Funktionieren. Liefern. Beweisen. Sich anpassen. Kämpfen. Dann bin ich etwas wert.

Schau dich um. Bewertung, Belehrung, subtile Rollenerwartungen – in allen Beziehungen, ob romantisch oder freundschaftlich.
Wir konsumieren die Zeit, Aufmerksamkeit und emotionale Verfügbarkeit der anderen.
Oft unbewusst. Oft, weil wir es nicht anders gelernt haben.

Ein Moment der Präsenz:
Bevor du weiterliest, spüre dich kurz. Atme tief ein, atme lang aus. Vielleicht spürst du, wie dein Körper weicher wird.

Genau hier beginnt Begegnung.

Studien zeigen: Dauerkommunikation ersetzt keine Nähe. Permanente Erreichbarkeit erhöht nicht die Bindung, sondern Stress. Tiefe entsteht nicht durch Frequenz, sonder durch Qualität - durch gemeinsam regulierte Präsenz.

Echte Begegnung ist die Nahrung jeder Beziehung.
Der Zündstoff für Verbundenheit.
Die Voraussetzung dafür, dass wir wirklich ankommen können.

Echte Begegnung beginnt dort, wo wir aufhören, einander zu konsumieren:

  • Langsamer werden. Spüren. Den eigenen inneren Raum füllen.

  • Auf Herzensebene begegnen.

  • Zuhören, ohne zu rechtfertigen oder zu belehren.

  • Raum geben für Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, ohne auszuweichen.

  • Einander wirklich sehen, ohne zu bewerten.

Aus neurobiologischer Sicht bedeutet das, dass wir einander helfen im Zustand von Sicherheit zu bleiben. Wir regulieren uns nicht gegeneinander, sonder miteinander.

Beziehungen werden so zu Räumen der Präsenz:

  • Räume, in denen du ankommen kannst.

  • Räume, in denen du empfangen wirst.

  • Räume, in denen du sein darfst.

Präsenz ist kein exklusives Recht romantischer Partnerschaften. Auch Freundschaften dürfen tief, nährend und ehrlich sein. Sie sind Übungsfelder für Begegnung jenseits von Funktion und Rolle.

Präsenz findet in jedem Moment statt. Beziehungen bleiben durch echte Begegnung lebendig, authentisch, ehrlich und nährend. Tiefe, Präsenz und Nähe dürfen wir jetzt in allen Beziehungen leben.

Wenn wir beginnen, das Konsummuster zu erkennen und zu hinterfragen, verschiebt sich etwas in uns. Alte Überzeugungen darüber, wie Beziehung „sein sollte“ dürfen sich lösen. Diese innere Begegnung schafft Raum für äußere Begegnung statt Reaktion.

Auf diesem Weg fallen manche Beziehungen weg. Es kann zunächst ungewohnt, still oder komisch ruhig werden. Doch diese Ruhe gibt dir die Freiheit, bewusst Begegnung zu wählen, statt automatisch zu reagieren. Diese Ruhe ist kein Verlust.

Frauen sind besonders eingeladen, innezuhalten und ihre Bindungs- und Beziehungsmuster zu spüren. Nicht, um sich zu optimieren, sondern um sich zu erinnern. Beobachte deine bestehenden Beziehungen: Wo wirst du konsumiert? Wo konsumierst du? Wo findet bereits echte Begegnung statt? Schritt für Schritt öffnest du dein Herz für tiefere Verbindungen.

Wenn wir aufhören, einander zu konsumieren, wirkt das nicht nur in Freundschaften oder Partnerschaften. Es verändert auch die Art, wie wir gesellschaftlich zusammenleben.

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Die innere Pilgerreise zur Wahrheit - warum der Körper früher weiß als der Verstand

Die innere Pilgerreise zur Wahrheit - warum der Körper früher weiß als der Verstand

Heute möchte ich dich einladen, meiner inneren Reise zur Wahrheit zu folgen. Einer sehr persönlichen Reise, auf der ich erkannt habe, dass mein Körper oft viel früher eine Antwort kennt als mein Verstand. Und dass ich der Intelligenz in mir folgen darf.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wollte ich die Wahrheit verstehen. Mit dem Kopf. Mit dem Verstand. Ich habe Naturwissenschaften studiert, um ihr näherzukommen. Doch je mehr ich versuchte, sie zu erfassen, desto weiter schien sie sich zu entfernen. Es war ein ständiges Beweisen, Zerlegen von Gedanken, Formen von Meinungen und Standpunkten, die ich verteidigte.

Mein Verstand war wach, scharf und suchend. Und dennoch blieb etwas in mir leer und unerfüllt.

Standpunkte sind nie die Landschaft selbst.
Sie sind Aussichtspunkte.
Verweilen wir zu lange an ihnen, verwechseln wir die Perspektive mit der Wahrheit.


Mit der Zeit erkannte ich: Wahrheit lässt sich nicht besitzen. Sie lässt sich nur bewohnen. Nicht im Denken, sondern im Spüren.

Mein Körper begann zu sprechen, lange bevor ich Worte für das hatte, was da durch mich zu mir sprach. Es war, als würde etwas durch mich hindurch kommunizieren. Ein Zusammenziehen im Bauch, wenn etwas nicht stimmte. Eine leise Weite im Brustraum, wenn etwas wahr war – selbst dann, wenn diese Wahrheit unbequem war.

Wenn wir langsamer werden, beginnt sich etwas in uns zu verschieben.
Ein inneres Shiften.
Eine Art Stille entsteht, auch wenn es in uns und um uns herum laut ist.

Der Verstand liebt Meinungen. Er ordnet, bewertet, vergleicht. Ich kenne diese Kraft gut. Doch seine Schattenseite ist subtil:
Wenn wir glauben, dass unsere Sichtweise die Wahrheit ist, verlieren wir die Fähigkeit zu lauschen, zu spüren und wirklich hinzuhören.

Unser Körper hat keine Meinung.
Er argumentiert nicht.
Er reagiert unmittelbar und ehrlich.


Der Körper kennt Wahrheit nicht als Konzept, sondern als Resonanz. Er ist ein Resonanzraum, der auf Schwingung antwortet. Wahrheit entsteht, wenn wir nicht mehr verteidigen, wenn unsere Beobachtung still wird und der Wunsch, recht zu haben, sich in Präsenz auflöst.

Wahrheit fühlen wir.
Sie ist nicht laut.
Sie erklärt nicht.

Sie offenbart sich nicht im Widerstand, sondern erscheint dort, wo etwas in uns leer genug wird.

Je mehr ich begann, meinem Körper zu vertrauen, desto weiter wurde mein Blick. Mein innerer Blick. Der Blick durchden Körper. Nicht im Sinne von „recht haben“, sondern im Sinne von Weitsicht. Einer Weitsicht, die nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus Präsenz. Keine perfekte Meinung – sondern die Fähigkeit, über Meinungen hinauszuwachsen.

Im Zustand tiefer Präsenz entstehen Antworten, ohne dass wir sie suchen. Einsichten tauchen auf, ohne analysiert zu werden. Nicht als Sätze, sondern als Gewissheit. Vielleicht ist das eine natürliche Folge davon, wenn wir aufhören, Körper, Geist und Seele voneinander zu trennen.


Mein nördlicher Mondknoten im Schützen erinnert mich immer wieder daran, dass Wahrheit kein Ziel ist, sondern eine Reise. Eine innere Pilgerfahrt. Nicht gesammeltes Wissen aus Büchern oder Lehren, sondern erfahren durch mein eigenes Sein. Aus einem Zustand inneren klaren Sehens und einer weichen, empfangenden Präsenz.

Es ist eine Sinnsuche.
Die Suche nach der größeren Wahrheit.
Einer Wahrheit, die frei macht.

Und echte Freiheit beginnt im Körper. Als würde etwas Größeres durch ihn atmen.

Der Körper lügt nie.
Er verbiegt sich nur, wenn wir gelernt haben, ihn nicht zu hören.

Wenn wir beginnen, ihm zuzuhören, richtet sich etwas in uns auf. Etwas stabilisiert sich. Wahrheit ist nicht immer sanft. Manchmal brennt sie. Manchmal fordert sie Abschiede. Und manchmal entlarvt sie Geschichten, die uns einst geschützt haben. Doch sie trägt immer Klarheit in sich – und eine stille Würde.

Beginnen Körper und Verstand, sich zu begegnen, ist das wie die Vereinigung von Männlichkeit und Weiblichkeit in uns. Es entsteht etwas Neues – ohne Dominanz, ohne Kampf. Ein inneres Einverständnis. Ein Ja, das nicht erklärt werden muss. Ein Nein, das sich ruhig anfühlt.

Vielleicht ist Wahrheit am Ende nichts, was wir finden, sondern das, was bleibt, wenn wir aufhören, uns selbst zu überreden. Vielleicht beginnt sie genau dort, wo wir den Mut haben, unserem Körper zuzuhören und unserem Geist erlauben, Zeuge dessen zu sein.


Allwissenheit ist kein Sammeln von Informationen, sondern ein inneres Stillwerden, in dem bereits alle Antworten enthalten sind.

Der Körper ist kein Hindernis auf dem spirituellen Weg. Er ist das Tor zur Wahrheit. Im Körper offenbart sich, was jenseits von richtig und falsch liegt. Im Körper geschieht die Rückkehr vom Standpunkt zur Schau.

Meine Einladung an dich:

Vielleicht magst du im nächsten Moment einer Entscheidung nicht sofort fragen, was richtig ist, sondern kurz innehalten und spüren, wie sich ein Ja und ein Nein anfühlen.
Vielleicht magst du dem Körper erlauben, ehrlich zu reagieren – ohne ihn zu korrigieren.
Und vielleicht zeigt sich Wahrheit nicht dort, wo alles verstanden ist, sondern dort, wo genug Raum entstanden ist, damit sie von selbst auftauchen kann.

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Authentizität - der vergessene Schlüssel zu echter Verbindung und Nähe

Authentizität - der vergessene Schlüssel zu echter Verbindung und Nähe

Was, wenn Authentizität nicht das ist, was Verbindung gefährdet - sondern genau das, was sie erst möglich macht?

In diesem Beitrag möchte ich dich auf eine kleine innere Reise mitnehmen. Eine Reise, auf der wir das Wort „Authentizität“ entwirren und erforschen, warum sie der Schlüssel für echte Verbindung und Nähe ist – zu anderen und vor allem zu dir selbst.

Ich habe lange mit dem Glauben gelebt, dass ich die Verbindung zu anderen Menschen verliere, wenn ich mich wirklich zeige. Wenn ich roh bin. Echt. Ungeschönt. Wenn ich nicht funktioniere, sondern einfach bin.

Und, wenn du mit so einem Glauben lebst, dann ist es nur logisch, dass du beginnst, Rollen zu spielen. Erwartungen zu erfüllen. Dich innerlich anzupassen, zu regulieren und zu verstellen – nur um die Verbindung nicht zu verlieren. Nur um nicht zur Last zu fallen und zu viel zu sein.


Du sagst Ja, obwohl dein Körper Nein meint.

Doch was, wenn das nicht die Wahrheit ist?
Was, wenn du in diesen Momenten nicht die Verbindung zur anderen Person verlierst – sondern die Verbindung zu dir selbst?

Deine innere Anbindung.
Deinen inneren Kompass.
Deine Herzenswahrheit.


Vor Kurzem war ich wieder in genau so einer Situation.

Ich habe einen Mann in mein Feld gelassen. Mich geöffnet. Und auch er hat sich geöffnet. Wir konnten uns gegenseitig spüren, wahrnehmen, lesen. Für mich fühlte es sich nach einem sicheren Raum an – nach Vertrauen.

Und genau deshalb habe ich mich in einem Moment nicht in meiner Stärke gezeigt, sondern in meiner Erschöpfung. In meiner Verletzlichkeit.


Ich habe mich authentisch gezeigt – jenseits der Rolle der starken, verantwortungsbewussten und unabhängigen Frau. Ich habe geteilt, dass ich innerlich weich bin. Müde bin. Erschöpft bin.


Mein Bedürfnis war klar: Nähe. Begegnung. Verbindung.

Doch Authentizität kann beim Gegenüber etwas auslösen.
Sie kann triggern. Schutzmechanismen aktivieren. Rollen hervorrufen – bewusst oder unbewusst. In diesem Fall die Rolle des Analysierenden, Kontrollierenden, Rettenden.

Meine Intention jedoch war eine andere.
Ich wollte Augenhöhe.
Herzhöhe.
Nicht, dass er über mir steht. Nicht, dass er mich „versteht“ oder „löst“.


Ich wollte ihm gegenüber sein.
Ich wollte sein sehendes, nicht urteilendes Herz.
Seine Präsenz.


Jeder von uns trägt eine andere Prägung in sich, wenn es um Bindung und Verbindung geht. Wir entwickeln unterschiedliche Bindungsmuster – und diese spiegeln sich direkt in unserem Nervensystem.

Rückblickend war es der Moment, in dem zwei Nervensysteme kollidiert sind:
Eines, das gelernt hat, Verbindung durch Fixieren und Kontrolle zu halten.
Und eines, das gelernt hat, sich anzupassen, um Verbindung nicht zu verlieren.

Und diesmal hat sie – habe ich – mich nicht angepasst.
Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung.
Ich habe mich gezeigt.

Ich war im Körper.
Und er war im Kopf.

Dieser Moment hat mir geholfen, mir meiner eigenen inneren Überzeugung bewusst zu werden. Mein Bedürfnis klar zu benennen. Und mich – aus Selbstschutz – aus dem gemeinsamen Feld zurückzuziehen. Distanz zu schaffen, um mir selbst treu zu bleiben.

In diesem Moment war ich echt.
Berührbar.
Angreifbar.
Ablehnbar.

Ich war nackt in meiner momentanen Wahrheit.

Und das ist Authentizität.

Nicht eine gut formulierte Meinung.
Nicht ein klares Selbstbild im Kopf.
Sondern: wahrhaftig du selbst zu sein – in jedem Moment – mit dem, was gerade in dir lebendig ist.


Authentizität bedeutet nicht zu performen, um zu gefallen.
Nicht dich darzustellen, um sicher zu sein.
Sondern verkörpert zu sein.

Denn Authentizität entsteht im Körper – nicht im Kopf.

Und jetzt stellt sich die entscheidende Frage:
Wie hilft uns Authentizität, echte Verbindung und Nähe herzustellen?

Authentizität trennt nicht. Sie sortiert, weil nicht jede Verbindung Wahrheit aushält. Authentizität zeigt sich, wo Resonanz ist und wo nicht. Eine Verbindung, die nur durch Anpassung besteht, ist keine echte Nähe.

Darin liegt auch der Unterschied zwischen Verbindung und Verstrickung:

Verbindung ist frei, atmend und lebendig.

Verstrickung entsteht aus Angst vor Verlust.

Und hier löst Authentizität die Verstrickung - auch, wenn das kurzzeitig schmerzt.

Nähe kann nur dort entstehen, wo niemand eine Rolle spielt. Das Spielen von Rollen erzeugt zwar Sicherheit im Kopf, aber Distanz im Herzen. Somit entsteht Nähe, wenn niemand etwas reparieren, erklären oder kontrollieren muss.

Der Körper ist hier der Wahrheitskompass, weil Authentizität ist ganz klar spürbar. Der Körper weiß früher als der Verstand, ob die Verbindung echt ist oder nicht. Somit kann Weitsicht entstehen, wenn wir dem Körper mehr glauben als unserem Verstand.

Das alles ist natürlich kein Vorwurf an die Menschen, die mit Verletzlichkeit VORERST nicht umgehen können. Es ist eine Einladung.

Weißt du, wahrhaftig zu sein ist keine Strategie. Es ist eine innere Entscheidung und ein Akt der Selbsttreue. Nähe beginnt immer bei der Verbindung zu dir selbst. Wer sich selbst verlässt, um Nähe zu bekommen, wird sie nie wirklich fühlen. Die Voraussetzung für äußere Verbindung ist immer die innere Anbindung.


Authentizität braucht Mut:

Mut, gesehen zu werden.

Mut, missverstanden zu werden.

Und genau darin liegt die Freiheit.

Wir dürfen lernen dann den Menschen nicht zu bewerten, ob er richtig oder falsch reagiert hat. Wir dürfen erkennen, dass jeder Mensch aus seiner eigenen Konditionierung handelt. Wir dürfen Weitsicht und Mitgefühl einladen und erlauben ohne uns selbst zu verraten.

Authentizität garantiert keine Beziehung, jedoch garantiert sie Wahrheit. Und Wahrheit ist der Boden, auf dem echte Nähe wachsen kann.

Zum Schluss eine Einladung an dich:

Wo in deinem Leben passt du dich an, um Verbindung zu halten?

Was würde sich verändern, wenn du dich dort ein kleines Stück echter zeigst?

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