Die innere Pilgerreise zur Wahrheit - warum der Körper früher weiß als der Verstand

Heute möchte ich dich einladen, meiner inneren Reise zur Wahrheit zu folgen. Einer sehr persönlichen Reise, auf der ich erkannt habe, dass mein Körper oft viel früher eine Antwort kennt als mein Verstand. Und dass ich der Intelligenz in mir folgen darf.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wollte ich die Wahrheit verstehen. Mit dem Kopf. Mit dem Verstand. Ich habe Naturwissenschaften studiert, um ihr näherzukommen. Doch je mehr ich versuchte, sie zu erfassen, desto weiter schien sie sich zu entfernen. Es war ein ständiges Beweisen, Zerlegen von Gedanken, Formen von Meinungen und Standpunkten, die ich verteidigte.

Mein Verstand war wach, scharf und suchend. Und dennoch blieb etwas in mir leer und unerfüllt.

Standpunkte sind nie die Landschaft selbst.
Sie sind Aussichtspunkte.
Verweilen wir zu lange an ihnen, verwechseln wir die Perspektive mit der Wahrheit.


Mit der Zeit erkannte ich: Wahrheit lässt sich nicht besitzen. Sie lässt sich nur bewohnen. Nicht im Denken, sondern im Spüren.

Mein Körper begann zu sprechen, lange bevor ich Worte für das hatte, was da durch mich zu mir sprach. Es war, als würde etwas durch mich hindurch kommunizieren. Ein Zusammenziehen im Bauch, wenn etwas nicht stimmte. Eine leise Weite im Brustraum, wenn etwas wahr war – selbst dann, wenn diese Wahrheit unbequem war.

Wenn wir langsamer werden, beginnt sich etwas in uns zu verschieben.
Ein inneres Shiften.
Eine Art Stille entsteht, auch wenn es in uns und um uns herum laut ist.

Der Verstand liebt Meinungen. Er ordnet, bewertet, vergleicht. Ich kenne diese Kraft gut. Doch seine Schattenseite ist subtil:
Wenn wir glauben, dass unsere Sichtweise die Wahrheit ist, verlieren wir die Fähigkeit zu lauschen, zu spüren und wirklich hinzuhören.

Unser Körper hat keine Meinung.
Er argumentiert nicht.
Er reagiert unmittelbar und ehrlich.


Der Körper kennt Wahrheit nicht als Konzept, sondern als Resonanz. Er ist ein Resonanzraum, der auf Schwingung antwortet. Wahrheit entsteht, wenn wir nicht mehr verteidigen, wenn unsere Beobachtung still wird und der Wunsch, recht zu haben, sich in Präsenz auflöst.

Wahrheit fühlen wir.
Sie ist nicht laut.
Sie erklärt nicht.

Sie offenbart sich nicht im Widerstand, sondern erscheint dort, wo etwas in uns leer genug wird.

Je mehr ich begann, meinem Körper zu vertrauen, desto weiter wurde mein Blick. Mein innerer Blick. Der Blick durchden Körper. Nicht im Sinne von „recht haben“, sondern im Sinne von Weitsicht. Einer Weitsicht, die nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus Präsenz. Keine perfekte Meinung – sondern die Fähigkeit, über Meinungen hinauszuwachsen.

Im Zustand tiefer Präsenz entstehen Antworten, ohne dass wir sie suchen. Einsichten tauchen auf, ohne analysiert zu werden. Nicht als Sätze, sondern als Gewissheit. Vielleicht ist das eine natürliche Folge davon, wenn wir aufhören, Körper, Geist und Seele voneinander zu trennen.


Mein nördlicher Mondknoten im Schützen erinnert mich immer wieder daran, dass Wahrheit kein Ziel ist, sondern eine Reise. Eine innere Pilgerfahrt. Nicht gesammeltes Wissen aus Büchern oder Lehren, sondern erfahren durch mein eigenes Sein. Aus einem Zustand inneren klaren Sehens und einer weichen, empfangenden Präsenz.

Es ist eine Sinnsuche.
Die Suche nach der größeren Wahrheit.
Einer Wahrheit, die frei macht.

Und echte Freiheit beginnt im Körper. Als würde etwas Größeres durch ihn atmen.

Der Körper lügt nie.
Er verbiegt sich nur, wenn wir gelernt haben, ihn nicht zu hören.

Wenn wir beginnen, ihm zuzuhören, richtet sich etwas in uns auf. Etwas stabilisiert sich. Wahrheit ist nicht immer sanft. Manchmal brennt sie. Manchmal fordert sie Abschiede. Und manchmal entlarvt sie Geschichten, die uns einst geschützt haben. Doch sie trägt immer Klarheit in sich – und eine stille Würde.

Beginnen Körper und Verstand, sich zu begegnen, ist das wie die Vereinigung von Männlichkeit und Weiblichkeit in uns. Es entsteht etwas Neues – ohne Dominanz, ohne Kampf. Ein inneres Einverständnis. Ein Ja, das nicht erklärt werden muss. Ein Nein, das sich ruhig anfühlt.

Vielleicht ist Wahrheit am Ende nichts, was wir finden, sondern das, was bleibt, wenn wir aufhören, uns selbst zu überreden. Vielleicht beginnt sie genau dort, wo wir den Mut haben, unserem Körper zuzuhören und unserem Geist erlauben, Zeuge dessen zu sein.


Allwissenheit ist kein Sammeln von Informationen, sondern ein inneres Stillwerden, in dem bereits alle Antworten enthalten sind.

Der Körper ist kein Hindernis auf dem spirituellen Weg. Er ist das Tor zur Wahrheit. Im Körper offenbart sich, was jenseits von richtig und falsch liegt. Im Körper geschieht die Rückkehr vom Standpunkt zur Schau.

Meine Einladung an dich:

Vielleicht magst du im nächsten Moment einer Entscheidung nicht sofort fragen, was richtig ist, sondern kurz innehalten und spüren, wie sich ein Ja und ein Nein anfühlen.
Vielleicht magst du dem Körper erlauben, ehrlich zu reagieren – ohne ihn zu korrigieren.
Und vielleicht zeigt sich Wahrheit nicht dort, wo alles verstanden ist, sondern dort, wo genug Raum entstanden ist, damit sie von selbst auftauchen kann.

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Was würde passieren, wenn wir aufhören, einander zu konsumieren?

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